Vom Vertrauen und Vermissen

Liebe Sozialromantiker, liebes Präsidium,

mit Spannung haben wir das Treffen des Ständigen Fanausschusses mit dem Präsidium abgewartet.

Wir waren nicht anwesend bei diesem Gespräch.
Wir hatten angekündigt, dass wir nicht mehr reden wollen.
Wir wollten Taten.
Sichtbare, nachvollziehbare und spürbare Taten.

Wir haben uns die Ergebnisse dieses Treffens angehört, diskutiert und um die richtige Reaktion gerungen.
Das war nicht leicht.
Denn sie musste einem Faktor gerecht werden, der sich schwer diskutieren lässt.
Dem Faktor Vertrauen.

Doch gehen wir erst einmal ein paar Tage zurück.

Wir waren begeistert von den vielen Menschen im Stadion, die ähnliche Gedanken zur Zukunft unseres Vereins haben wie wir. Die Fans des FC Sankt Pauli haben Ideen entwickelt, sich engagiert und Ihre Meinung geäußert.
Ob in Blogs, Foren, Leserbriefen.
Ob bei Gesprächen, Treffen oder Aktionen.
Die Fanszene ist sich selten so nahe gewesen.

Wir alle zusammen haben erreicht, dass sich Veränderungen in unserem Sinne andeuten und dass die Fanszene sich wieder so gezeigt hat, wie wir alle sie lieben und brauchen – als kritische, kreative und lautstarke Fanszene.

Doch die Veränderungen, die jetzt im Gespräch zwischen Ständigen Fanausschuss und Präsidium von diesem angedeutet wurden, taugen nicht, um sich zufrieden zurück zu lehnen.

Wir haben erfreut zur Kenntnis genommen, dass von Stefan Orth als  vom „Ganzen“, von uns allen zusammen gesprochen wurde und nicht in Lagern gedacht wird. Positiv ist , dass Selbstkritik geäußert wurde und Verbesserungen in der Kommunikation und Bewertung von Marketingmaßnahmen geplant sind.

Wir vermissen aber konkrete Taten.
Wir hören Bekenntnisse.
Wir hören von Planungen.
Aus unserer Sicht sind keinesfalls alle Forderungen der Petition geklärt worden.

Schauen wir uns ein paar Details an:

1. Susis Show-Bar-Loge

S. Orth sagt, Susis Loge sieht er persönlich nicht nur unter dem Aspekt der Ablenkung, sondern auch unter dem Gesichtspunkt des Sexismus. Schön und gut. Aber passieren wird nichts, was diesen Aspekt aufgreift.
Das verstehen wir nicht.

Nach dem Heimspiel gegen Freiburg, wurde eine Demo auf dem Südkurvenvorplatz abgehalten. Bei dieser Demo gab es einen Redebeitrag eines (weiblichen) Fan. Sie sagte, dass die Fanszene des FC Sankt Pauli für sie die schönste auf der Welt sei. Weil sie sich hier als Frau, nicht als Anhängsel fühlt,nicht mehr oder weniger akzeptiert in einer männlich dominierten Fanszene. Sondern als Fan unter Fans angesehen wird und nicht als Lustobjekt.Sie war sehr „stolz“ darauf, dass dies auch jedem Neufan der ans Millerntor kommt, auch genauso erklärt wird.
Aber plötzlich könne sie das nicht mehr erklären, weil 50 Meter weiter Frauen an Stangen tanzen und nichts anderes darstellen, als Lustobjekte. Ob angezogen oder nicht.
Sie sind Lustobjekte. Und dieser Neufan soll sich nun anders verhalten, als die Mieter dieser Loge?
Das geht nicht.
Nun also vor dem Spiel und auch danach. Angezogen. Nur während des Spiels nicht. Für uns besteht weiterhin kein Unterschied. Wir verstehen nicht, warum in einer Loge überhaupt in dieser Art und Weise getanzt werden muss. Egal zu welchem Zeitpunkt.

Wir fordern daher weiterhin die Kündigung dieser Loge!

2. Prüfgruppe Marketing
Wir befürworten eine solche Instanz. Diese macht allerdings in unseren Augen wenig bis gar keinen Sinn, wenn dort die gleichen Personen zusammensitzen, welche die letzten fragwürdigen Aktionen durchgewunken haben oder in direkter beruflicher Abhängigkeit von diesen stehen. Wir würden es begrüssen, wenn in dieser Gruppe auch eine externe Person sitzt.

3. Business-Seats
200 nicht verkaufte Business-Seats sind eine ganze Menge und wir befinden uns in der 1. Liga. Wieviele Seats bei einem Abstieg nicht verkauft werden (können) bleibt nur zu erahnen. Warum ist es nicht möglich diese Sitze als normale Haupttribünenplätze zu verkaufen? Sind tatsächlich Finanzierungsverträge abgeschlossen worden, in denen festgelegt ist, wieviele Business-Seats installiert sein müssen?

4. PSD-Bank-Banner an der Kita
Wir haben jede Sympathie für den Kindergarten in unserem Stadion. Und wir verurteilen bestimmt keine Bank, weil sie sich engagiert für soziale Einrichtungen. Aber Fakt ist, dass die Ecke zwischen Süd und Haupttribüne aussieht wie eine Sparkasse in Paderborn.
Wenn die PSD Bank darauf besteht, einen derart großen Banner dort zu plazieren, fragen wir uns natürlich was daran wohltätig ist? Aber auch wenn es sich in unserer Sicht um schlichtes Sponsoring handelt, bleibt eine graue betonfarbene Wand und ein Bankbanner.

Die Werbefläche, in eine von den Kindern der Kita oder der Fanszene bemalte Wand zu integrieren, sollte doch möglich sein. Und dann haben alle etwas davon. Der Sponsor hat seine Werbung platziert und zumindest diese Ecke des Stadions ist bunt wie der Stadtteil. Es wäre wünschenswert, wenn ihr (Verein und Bank) zeitnah  die Pestalozzi-Stiftung kontaktiert. Mopo und Co werden es medienwirksam begleiten, keine Bange.

Dieses nur als Auswahl der Punkte, die für uns keineswegs geklärt sind.

Wir sagen es gerne noch einmal:

Dieser Club ist ein Juwel.
Das Schönste, was man im deutschen Fussball finden kann.
Und dieser Club hat Fans, die mit ihm und euch durch die Hölle gehen und zurück.
Fans, für die dieser Club weit mehr als eine pure Herzensangelegenheit ist.

Diese Fans – wir alle – wollen mit unseren Wünschen und auch Ängsten ernst genommen werden. Wir möchten uns in diesem FC St. Pauli wiederfinden und wir sind bereit dafür zu kämpfen.

Wir wollen nicht nur Bekenntnisse, wir wollen Taten sehen. Wir wollen das Vertrauen zurück gewinnen, dass ihr, liebes Präsidium, hinter uns steht und den FC St. Pauli so gestaltet, das wir uns alle in ihm wiederfinden. Dafür bedarf es aber mehr als schöner Worte.

Wir fordern daher weiter:

Setzt die obigen Punkte um!
Zeigt uns, dass ihr so fühlt wie wir!
Beweist uns, dass ihr es ernst meint!

Wir verstehen, dass ihr sprechen wollt.

Sprecht mit dem Fanladen, dem Ständigen Fanausschuss, dem Fanclub-Sprecherrat – das sind die Vertreter der Fans. Aber redet nicht nur, tut was. Und tut es nachhaltig.

Wir haben Verständnis, dass nicht alles von heute auf morgen umzusetzen ist. Wir sind geduldig. Aber wir brauchen Signale.
Um zu vertrauen.

Wir sprechen nicht für die Fanszene, die spricht für sich selbst. Lauter als wir. Und sie hat deutlich gemacht, dass Worthülsen alleine nicht mehr reichen.

Solange ihr uns Fans nicht deutlich macht, dass wir euch vertrauen können, werdet ihr uns als kritische Geister nicht los.
Solange werden wir euch deutlich sagen, was wir erwarten und die Einlösung eurer Versprechen und Ankündigungen einfordern – zeitnah, vollumfänglich.

Daran soll euch der Jolly Rouge erinnern, wann immer ihr ihn im Stadion wehen seht. Unser Symbol. Das Symbol einer kritischen, kreativen und lautstarken Fanszene.

BRING BACK SANKT PAULI!

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8 Antworten auf Vom Vertrauen und Vermissen

  1. sreicht sagt:

    gut geschrieben und richtig in der sache. ihr/wir alle haben deutlich gemacht, worum es uns geht. jetzt ist der verein am zug. ich hoffe, wir sehen bald die gewünschten positiven signale.