Wir sind St. Pauli! Taksim ist überall!

Am 12.7. spielt der FC St. Pauli am Millerntor gegen Besiktas Istanbul.

Istanbul…

Sofort werden viele von euch daran denken was in dieser Stadt gerade passiert. In der ganzen Türkei. Wie junge Menschen sich erhoben haben und sich nicht mehr länger ihre Lebensweise von einem Staatschef vorschreiben lassen wollten, sich ihren Park und die wenigen öffentlichen Plätze die es in der boomenden Stadt noch gibt, nehmen lassen wollten. Sie protestierten. Friedlich und Kreativ.

Was dann geschah ist kaum zu beschreiben. Über 5000 Verletzte durch Sicherheitskräfte. Darunter auch Kinder und Schwangere. Chemikalen die international geächtet sind im Wasser der Wasserwerfer.
Bisher 5 Tote.
Unzählige verhaftete Journalisten, verhaftete Ärzte die Demonstranten helfen wollten, und selbst Anwälte. Zum Teil verschwunden bis heute ohne das jemand weiß wo sie sich in den Händen des Staates befinden. Grauenvolle Bilder und Stimmen die zu uns dringen aus der Türkei, und ein Staatschef der eigentlich nur noch mit dem Wort “Geistesgestört” beschrieben werden kann.

Viele von euch werden in den letzten Wochen versucht haben ihre Solidarität mit den Protesten dort auszudrücken. Der “Park Fiktion” unten am Hafen heißt seit ein paar Tagen “Gezipark Hamburg”. Trotzdem hat man immer das Gefühl es müsste mehr geschehen… Es fällt schwer von hier zu helfen oder seine Unterstützung auszudrücken.

Und nun kommt also Besiktas Istanbul zu uns. Die großen drei Vereine Istanbuls und ihre Ultras haben sich in diesen Protesten zusammengetan, ein Umstand der schon zeigt wie ernst die Lage für die Menschen dort ist, und den Ultras von Besiktas, der “CARSI” sind Teil dieses Zusammenschlusses. Sie waren von Beginn an dabei, wie viele andere Gruppen auch. Und nun haben wir Gelegenheit wenigstens denen von Ihnen die nicht grade in Haft sitzen, und das sind einige, und die uns hier besuchen unsere Solidarität zu zeigen!

Wenn euch an dem Freiheitskampf der jungen Türken irgendetwas liegt, dann zeigt es Ihnen! Ihr wisst selber am Besten wie ihr das zeigen könnt, ihr seid kreativer als jede Planung.
Lasst uns das Stadion für einige Momente, ein Spiel, einen Tag in eine Festung des Grenzenüberschreitenden Zusammenhalts machen!

Wir sind St. Pauli!
Taksim ist überall!
Überall ist Widerstand!

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Positionspapier der Fanszene des FC St. Pauli

Museum statt Goliathwache!

Für eine sinnvolle Nutzung der neuen Gegengerade

Die Gegengerade des Millerntor-Stadions ist ein entscheidender Ort für die Geschichte des FC St. Pauli.

Dies ist der Ort, wo die ersten Totenkopf-Fahnen wehten. Dies ist der Ort, wo eine vollkommen neue Art der Fankultur entstand. Dies ist die Keimzelle des „Mythos St. Pauli“.

Wir sollten diesen Ort Leben lassen. Wir sollten ihn nutzen, um diesen unglaublichen Verein zu feiern. Und alle zu würdigen, die ihn ausmachen.

Wir haben die Chance dazu. Wir haben sie jetzt und nie wieder. In der Gegengerade sind 600 zusammenhängende Quadratmeter frei. Direkt neben den Fanräumen. Direkt neben dem zukünftigen Sitz des Fanladens. Eine Fläche von unschätzbarem Wert.

Niemand im FC St. Pauli will, dass diese Fläche für einen vereinsfremden Zweck blockiert wird. Niemand will, dass eine Polizeiwache dort einzieht – als Ersatz für die alte Domwache, genutzt an allen Dom- und Spieltagen. Eine Nachbarschaft, die auch die Arbeit des Fanladens stark behindern würde.

Der FC St. Pauli steht im Wort. Sein Präsidium hat vor Jahren mündlich versprochen, der Stadt bei der Erneuerung der Domwache zu helfen. Im Gegenzug für Unterstützung bei der Stadion-Rekonstruktion.

Doch für den Standort einer Dom- und Stadionwache gibt es Alternativen. Für ein FC St. Pauli-Museum nicht. Auf einen solchen Ort zu verzichten, wäre eine historische Weichenstellung. Weg vom „Lebensgefühl St. Pauli“. Hin zu einer leeren Hülle.

Lange haben Fans auf dieses Risiko hingewiesen. Lange wurde intern verhandelt. Es ist spät, doch nicht zu spät. Darum machen wir Druck.

Und wir bieten unsere Hilfe an. Unsere Ideen. Unser Wissen. Unsere Hände. Unser Herz. Wir sind viele. Wir sind entschlossen. Und gemeinsam schaffen wir nahezu alles.

Wir fordern das Präsidium des FC St. Pauli auf, den Auftrag der Jahreshauptversammlung 2010 zur Einrichtung eines Vereinsmuseums umzusetzen:

Macht ein FC St. Pauli-Museum in der Gegengerade möglich, das diesen Namen auch verdient!
Nehmt unsere Hilfe an!
Entscheidet Euch für Identität und Geschichte des FC St. Pauli!
Entscheidet Euch für ein gemeinsames Ziel, das alle St. Paulianerinnen und St. Paulianer eint!
Entscheidet Euch für eine Realisierung der Domwache außerhalb des Millerntor-Stadions!

FÜR eine gemeinsame Lösung von Verein und Stadt!

GEGEN eine Goliathwache in der Gegengerade!

FÜR ein Museum, wie es die Welt noch nicht gesehen hat: 
Das FC St. Pauli-Museum. In der Gegengerade. Am Millerntor.

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Macht Druck auf unseren Verein!

An alle Fans des FC St. Pauli von 1910 e.V.

Es gibt einen Zustand der Lethargie, der lediglich dadurch entstanden ist, das Gefühl zu haben, immer erstmal schwerste Geschütze auffahren zu müssen bevor sich etwas bewegt in dem Getriebe der eigenen Leidenschaft. So ein Punkt ist nun schon wieder da. Und wir alle kämpfen an gegen diese Lethargie, diese Haltung, nicht schon wieder kämpfen zu müssen, um Selbstverständlichkeiten durchzusetzen.

Kein Mensch will eine riesige Bullenwache in unserem Stadion! Niemand! Selbst die Hamburger Polizei findet das nicht die beste aller Ideen. Warum also scheint es nun doch dazu zu kommen ?

Weil sich verschiedenste Institutionen nicht mehr in der Lage sehen, dem Wunsch der Mehrheit gerecht zu werden. Weil sie müde sind. Unser Präsidium genauso wie die Hamburger Innenbehörde oder der Senat dieser Hansestadt.
Wir sind genauso müde, aber es gibt einen Punkt, wo Lethargie bedeuten würde, über Jahrzente mit etwas leben zu müssen, das allen Beteiligiten nur Schlechtes bringen wird. Und dieser Punkt ist gekommen, und deshalb werden wir unsere eigene Müdigkeit, sich immer wehren zu müssen, ein weiteres Mal überwinden und sagen, was wir wollen. Weil es das Richtige ist. Und weil es im Moment nicht an Sachzwängen liegt, die eine gute Lösung verhindern, sondern an Faulheit aller Beteiligter.

Wir wollen ein Museum! Einen Ort, wo mitten in unserem Stadion Zeugniss abgelegt wird über unsere Geschichte!

Wir wollen den Fanladen, der wie nichts anderes dafür verantwortlich ist, eine progressive Fanszene zu haben, die sich tagtäglich mit sich selbst auseinandersetzt!

Wir wollen Fanräume, die uns einen Ort geben, wo alle, ob derbster Ultra oder Gelegenheitsfan, sich entfallten können mit allem, was sie mitbringen!

Wir wollen ein Stadion, das uns gehört, und wir wissen, wie brüchig dieses „Wir“ so oft ist!

Was all das grade bedroht, ist eine riesige Polizeiwache mitten in diesem Freiraum, der uns so wichtig ist und uns atmen lässt.

Bitte! Mobilisiert noch einmal all eure Kräfte, all eure Liebe, euer Wissen um unsere Fanszene und wie unterschiedlich sie manchmal daher kommt! Denn unter den Augen der Staatsmacht haben wir alle keine Chance mehr, etwas anderes zu leben oder es wenigstens zu versuchen. Wir kriegen alles selber hin. Und da wo wir es nicht hinbekommen, da müssen wir eben besser werden. Aber dafür brauchen wir UNS! Nicht Polizei und Kameras.

Ein letztes Mal, bevor es vielleicht zu spät ist, mit allen Mitteln, mit all unserer Leidenschaft, mit all unserer Liebe für die Idee, dass St. Pauli tatsächlich etwas anderes ist!

Macht Druck auf unseren Verein! Er ist es, der sich jetzt bewegen muss!

Macht Druck auf den Senat! Macht Druck auf die Innenbehörde! Mit den Mitteln, die ihr mitgehen könnt. Aber gebt euch bitte nicht einfach dieser Müdigkeit hin! Wir alle spüren die auch. Und sie ist tödlich. Bewegt euch und andere! Es lohnt sich! Noch einmal. Noch einmal wehren. Bitte! Wir alle werden unter dem Zustand leiden, den wir grade sehenden Auges mitgehen! Wehrt euch!

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Uns das Stadion, der Polizei den Dom!

Wir fordern hiermit das Präsidium und die anderen Gremien des FC St. Pauli auf, die Eingliederung der Polizeiwache (Domwache) in den Neubau der Gegengerade abzuwenden und stattdessen gemeinsam mit Stadt und Polizei eine Alternativlösung umzusetzen, die allen Beteiligten gerecht wird. Wir wissen, dass es Szenarien gibt, welche eine neue Wache an der Stelle der bisherigen Domwache vorsehen.
 
Das Stadion ist für Mitglieder, Fans und die Gäste da, die wir uns aussuchen. Gerade als Stadtteilverein und in Zeiten steigender Mieten im Umfeld ist eine Aufgabe dieser Flächen unverantwortlich. Zudem stellt sich uns die Frage: Warum muss ein Sportverein überhaupt der Polizei eine Wache finanzieren, die über ein Minimalmaß der Lizenbedingungen von DFB/DFL hinausgeht?
 
Eine Wache in der Gegengeraden wird niemandem Freude machen – dem Verein nicht, der Polizei nicht und den Fans auch nicht.
 
Ein Museum z. B. dagegen sehr: die Stadt hätte eine neue Attraktion, der Verein eine weitere Einnahmequelle und das Stadion eine einem Sportverein entsprechende Nutzung. Die Umsetzung eines attraktiven Museums an anderen Stelle erscheint uns unmöglich.
 
Wir wissen auch, dass die Umsetzung nicht einfach ist, aber: wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Absprachen und Verträge aus der Vergangenheit sind keine unabänderlichen Naturgesetze, sondern verhandelbar. Wir erwarten einen transparenten Prozess und klare Aussagen. Dazu gehört auch, die involvierten Angestellten u.a. der Millerntor-Stadionbetriebsgesellschaft (MSB) entsprechend anzuweisen und an einer Umsetzung der Vereinsvorgaben zu messen.
 
Es ist möglich, also macht es möglich. Dafür seid ihr gewählt und dafür würde man Euch in Erinnerung behalten.
 
Sozialromantiker St.Pauli und alle Unterzeichnenden

Juni 2012
 

************ Unterstützt unsere Forderungen, unterschreibt hier

 
Fragen und Antworten:
  • Ich hätte gerne mehr Infos zum Stadionbau und zum Thema Polizeiwache, wo kann ich welche finden?
    Einige Informationen finden sich in der 2. Veröffentlichung der AG Stadionbau vom 04.05.2012. Dort wird auch genauer auf verschiedene weitere negative Aspekte der aktuell geplanten Umsetzung der Polizeiwache eingegangen.
  • Wo die Polizei ist, ist mir eigentlich egal, aber ein Museum wäre schon toll. Warum geht das nirgendwo anders?
    Ein Museum benötigt ein gewisses Maß an Fläche. Die von Vize-Präsident Bernd Spies in der Zeitung genannten 400qm, die aktuell reserviert seien, sind in jedem Fall viel zu wenig für eine attraktive und damit auch langfristig wirtschaftlich sinnvolle Umsetzung. Die Anmietung einer externen Fläche in passender Lage dürfte viel zu teuer werden, ganz abgesehen von der Schwierigkeit, überhaupt eine zu finden.
  • Aber können wir uns ein Museum überhaupt leisten, ist das nicht einfach nur Romantik, ein”nice-to-have”?
    Neben den “romantischen” Aspekten einer angemessenen Präsentation der interessanten und facettenreichen Vergangenheit des Vereins und indirekten Wirkungen in den BereichenImage und PR gibt es natürlich auch wirtschaftliche Faktoren. Ein Museum wird natürlich nie eine absolute Goldgrube sein, aber halbwegs profitabel sollte es sich schon umsetzen lassen. Das HSV-Museum hat rund 60.000 Besucher pro Jahr; in Anbetracht der wesentlich attraktiveren Lage des Millerntors im “Touri-Viertel” St. Pauli und der auch von der von der Vereinsführung oft beschworenen überragenden Sympathie- und Bekanntheitswerte des Vereins im In- und Ausland dürfte das mit einem attraktiven Angebot zu übertreffen sein. Sollten von jedem Besucher 5 Euro beim Verein bleiben, wären das im Jahr immerhin Einnahmen jenseits der 300.000 Euro, hinzu kommen Seiteneffekte wie Einkäufe im Fanshop, Besuch des Clubheims oder Teilnahme an Stadionführungen.
  • Sind die Sozialromantiker die einzigen, die das kritisieren?
    Ganz im Gegenteil. Intern gab es von vielen Vereins- und Fangremien wiederholt starke Kritik und die Aufforderung, eine alternative Lösung umzusetzen. Öffentlich gab es u.a. Artikel im Übersteiger und diversen Fanzines sowie Aktionen verschiedener Gruppen im Stadion. Wir möchten mit unserem Aufruf diese Stimmen unterstützen, da auf der Baustelle sehr offensichtlich Fakten geschaffen werden und die Zeit für die Umsetzung einer Alternative davonläuft.
  • Warum kommen die Fans jetzt erst so spät mit ihrer Kritik, die Gegengerade steht doch schonhalb?
    Spätestens mit der 1. Veröffentlichung der AG Stadionbau vom 27.09.2011 wurde die Kritik öffentlich, unseren Informationen nach aber von selbiger intern bereits Mai 2011 schriftlich dem Verein mitgeteilt. Dazu kommen die oben erwähnten Stellungnahmen anderer Gruppen und Gremien. Zudem sollte man die Frage stellen, warum Vereinsführung und maßgebliche Mitarbeiter nicht schon deutlich früher und aus eigener Überlegung heraus aktiv geworden sind.
  • War das Thema Stadionbau und Polizeiwache nicht auch Thema auf der JHV 2011?
    In der Tat brachte ein Vereinsmitglied den Antrag ein, den Bau der Gegengerade ummindestens ein Jahr und bis zur Lösung verschiedener Probleme (insbesondere das derPolizeiwache) zu verschieben. Ihm wurde von der Vereinsführung zugesichert, dass bereitsan der Lösung aller von ihm aufgeführten Problemen intensiv gearbeitet würde. Aufgrund der schwer abschätzbaren Folgen einer Verschiebungsentscheidung und im Vertrauen auf diese Zusagen zog er den Antrag zurück, obwohl er durchaus große Aussicht auf Erfolg gehabt hätte.

************ Unterschreibt hier

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Flagge zeigen im Heimspiel gegen die Löwen

Sozialromantiker dieser Welt!

Heute hat die 2.500ste Person unsere Facebookseite geliked. Wir freuen uns riesig,
nach wie vor so große Unterstützung zu erfahren. Vielen Dank dafür.

In ca 9 Wochen ist Jahreshauptversammlung, dort gilt es den Vereinsoffiziellen bindende Vorgaben an die Hand zu geben, damit unser Verein so gestaltet wird, dass wir alle uns in ihm wohlfühlen können.

Als kleine Erinnerung an die Entscheidungsträger, dass wir alle sie beobachten, sie ihr Handeln reflektieren sollten und sie keineswegs auf festen Stühlen sitzen, rufen wir euch auf:

Bringt die roten Fahnen, Banner, Schals, Mützen, Jacken, Pullis, Shirts, Tapeten, Pappen und Herzen am Sonntag mit ins Stadion!

Der Countdown läuft, die Uhr tickt. Wir sind bereit.

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Vom Vertrauen und Vermissen

Liebe Sozialromantiker, liebes Präsidium,

mit Spannung haben wir das Treffen des Ständigen Fanausschusses mit dem Präsidium abgewartet.

Wir waren nicht anwesend bei diesem Gespräch.
Wir hatten angekündigt, dass wir nicht mehr reden wollen.
Wir wollten Taten.
Sichtbare, nachvollziehbare und spürbare Taten.

Wir haben uns die Ergebnisse dieses Treffens angehört, diskutiert und um die richtige Reaktion gerungen.
Das war nicht leicht.
Denn sie musste einem Faktor gerecht werden, der sich schwer diskutieren lässt.
Dem Faktor Vertrauen.

Doch gehen wir erst einmal ein paar Tage zurück.

Wir waren begeistert von den vielen Menschen im Stadion, die ähnliche Gedanken zur Zukunft unseres Vereins haben wie wir. Die Fans des FC Sankt Pauli haben Ideen entwickelt, sich engagiert und Ihre Meinung geäußert.
Ob in Blogs, Foren, Leserbriefen.
Ob bei Gesprächen, Treffen oder Aktionen.
Die Fanszene ist sich selten so nahe gewesen.

Wir alle zusammen haben erreicht, dass sich Veränderungen in unserem Sinne andeuten und dass die Fanszene sich wieder so gezeigt hat, wie wir alle sie lieben und brauchen – als kritische, kreative und lautstarke Fanszene.

Doch die Veränderungen, die jetzt im Gespräch zwischen Ständigen Fanausschuss und Präsidium von diesem angedeutet wurden, taugen nicht, um sich zufrieden zurück zu lehnen.

Wir haben erfreut zur Kenntnis genommen, dass von Stefan Orth als  vom “Ganzen”, von uns allen zusammen gesprochen wurde und nicht in Lagern gedacht wird. Positiv ist , dass Selbstkritik geäußert wurde und Verbesserungen in der Kommunikation und Bewertung von Marketingmaßnahmen geplant sind.

Wir vermissen aber konkrete Taten.
Wir hören Bekenntnisse.
Wir hören von Planungen.
Aus unserer Sicht sind keinesfalls alle Forderungen der Petition geklärt worden.

Schauen wir uns ein paar Details an:

1. Susis Show-Bar-Loge

S. Orth sagt, Susis Loge sieht er persönlich nicht nur unter dem Aspekt der Ablenkung, sondern auch unter dem Gesichtspunkt des Sexismus. Schön und gut. Aber passieren wird nichts, was diesen Aspekt aufgreift.
Das verstehen wir nicht.

Nach dem Heimspiel gegen Freiburg, wurde eine Demo auf dem Südkurvenvorplatz abgehalten. Bei dieser Demo gab es einen Redebeitrag eines (weiblichen) Fan. Sie sagte, dass die Fanszene des FC Sankt Pauli für sie die schönste auf der Welt sei. Weil sie sich hier als Frau, nicht als Anhängsel fühlt,nicht mehr oder weniger akzeptiert in einer männlich dominierten Fanszene. Sondern als Fan unter Fans angesehen wird und nicht als Lustobjekt.Sie war sehr “stolz” darauf, dass dies auch jedem Neufan der ans Millerntor kommt, auch genauso erklärt wird.
Aber plötzlich könne sie das nicht mehr erklären, weil 50 Meter weiter Frauen an Stangen tanzen und nichts anderes darstellen, als Lustobjekte. Ob angezogen oder nicht.
Sie sind Lustobjekte. Und dieser Neufan soll sich nun anders verhalten, als die Mieter dieser Loge?
Das geht nicht.
Nun also vor dem Spiel und auch danach. Angezogen. Nur während des Spiels nicht. Für uns besteht weiterhin kein Unterschied. Wir verstehen nicht, warum in einer Loge überhaupt in dieser Art und Weise getanzt werden muss. Egal zu welchem Zeitpunkt.

Wir fordern daher weiterhin die Kündigung dieser Loge!

2. Prüfgruppe Marketing
Wir befürworten eine solche Instanz. Diese macht allerdings in unseren Augen wenig bis gar keinen Sinn, wenn dort die gleichen Personen zusammensitzen, welche die letzten fragwürdigen Aktionen durchgewunken haben oder in direkter beruflicher Abhängigkeit von diesen stehen. Wir würden es begrüssen, wenn in dieser Gruppe auch eine externe Person sitzt.

3. Business-Seats
200 nicht verkaufte Business-Seats sind eine ganze Menge und wir befinden uns in der 1. Liga. Wieviele Seats bei einem Abstieg nicht verkauft werden (können) bleibt nur zu erahnen. Warum ist es nicht möglich diese Sitze als normale Haupttribünenplätze zu verkaufen? Sind tatsächlich Finanzierungsverträge abgeschlossen worden, in denen festgelegt ist, wieviele Business-Seats installiert sein müssen?

4. PSD-Bank-Banner an der Kita
Wir haben jede Sympathie für den Kindergarten in unserem Stadion. Und wir verurteilen bestimmt keine Bank, weil sie sich engagiert für soziale Einrichtungen. Aber Fakt ist, dass die Ecke zwischen Süd und Haupttribüne aussieht wie eine Sparkasse in Paderborn.
Wenn die PSD Bank darauf besteht, einen derart großen Banner dort zu plazieren, fragen wir uns natürlich was daran wohltätig ist? Aber auch wenn es sich in unserer Sicht um schlichtes Sponsoring handelt, bleibt eine graue betonfarbene Wand und ein Bankbanner.

Die Werbefläche, in eine von den Kindern der Kita oder der Fanszene bemalte Wand zu integrieren, sollte doch möglich sein. Und dann haben alle etwas davon. Der Sponsor hat seine Werbung platziert und zumindest diese Ecke des Stadions ist bunt wie der Stadtteil. Es wäre wünschenswert, wenn ihr (Verein und Bank) zeitnah  die Pestalozzi-Stiftung kontaktiert. Mopo und Co werden es medienwirksam begleiten, keine Bange.

Dieses nur als Auswahl der Punkte, die für uns keineswegs geklärt sind.

Wir sagen es gerne noch einmal:

Dieser Club ist ein Juwel.
Das Schönste, was man im deutschen Fussball finden kann.
Und dieser Club hat Fans, die mit ihm und euch durch die Hölle gehen und zurück.
Fans, für die dieser Club weit mehr als eine pure Herzensangelegenheit ist.

Diese Fans – wir alle – wollen mit unseren Wünschen und auch Ängsten ernst genommen werden. Wir möchten uns in diesem FC St. Pauli wiederfinden und wir sind bereit dafür zu kämpfen.

Wir wollen nicht nur Bekenntnisse, wir wollen Taten sehen. Wir wollen das Vertrauen zurück gewinnen, dass ihr, liebes Präsidium, hinter uns steht und den FC St. Pauli so gestaltet, das wir uns alle in ihm wiederfinden. Dafür bedarf es aber mehr als schöner Worte.

Wir fordern daher weiter:

Setzt die obigen Punkte um!
Zeigt uns, dass ihr so fühlt wie wir!
Beweist uns, dass ihr es ernst meint!

Wir verstehen, dass ihr sprechen wollt.

Sprecht mit dem Fanladen, dem Ständigen Fanausschuss, dem Fanclub-Sprecherrat – das sind die Vertreter der Fans. Aber redet nicht nur, tut was. Und tut es nachhaltig.

Wir haben Verständnis, dass nicht alles von heute auf morgen umzusetzen ist. Wir sind geduldig. Aber wir brauchen Signale.
Um zu vertrauen.

Wir sprechen nicht für die Fanszene, die spricht für sich selbst. Lauter als wir. Und sie hat deutlich gemacht, dass Worthülsen alleine nicht mehr reichen.

Solange ihr uns Fans nicht deutlich macht, dass wir euch vertrauen können, werdet ihr uns als kritische Geister nicht los.
Solange werden wir euch deutlich sagen, was wir erwarten und die Einlösung eurer Versprechen und Ankündigungen einfordern – zeitnah, vollumfänglich.

Daran soll euch der Jolly Rouge erinnern, wann immer ihr ihn im Stadion wehen seht. Unser Symbol. Das Symbol einer kritischen, kreativen und lautstarken Fanszene.

BRING BACK SANKT PAULI!

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Enough Is Enough!

It won’t go on like this anymore
We say stop.
Just again, after a long time.

There is a certain point in the ability of every human being in accepting circumstances at
which he is no longer in the position to take it. To remain silent. To continue hoping and waiting for the situation to turn better without his intervention. This point comes at a different stage for every human being. Weiterlesen

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Danke

Liebe UnterzeichnerInnen, Sozialromantiker und…
ach was soll das,werden wir mal nicht zu profan:

Ihr unglaublich geilen Fans des Magischen FC!!

Ihr habt uns allen zusammen einen Moment geschaffen, den wir alle so schnell nicht mehr vergessen werden.

Am 15.01.2011 ist aus der Fanszene des FC St.Pauli wieder ein Gebilde geworden voller Leben, Herz und Kraft!
Und nicht durch große Texte, gewonnene Spiele oder Meisterschalen, sondern durch jede/n verdammte/n Einzelne/n von euch, der/die einfach losgelegt hat und somit dem Verein gezeigt hat, dass hier Fans etwas sagen wollen, so laut wie es eben geht!

Wir haben diese Bewegung angestoßen mit unserer Petition und keiner von uns hat sich träumen lassen, dass wir so wenig allein sind im weiten Rund des Millerntores.

Aber wir haben sie eben nur angestoßen.
IHR habt das alles zu einer Bewegung, einem unmissverständlichen Zeichen, einem Aufschrei gemacht.
Nicht wir.
Ihr!

Und dafür wollen wir euch danken und uns vor euch verneigen!
Ihr seid unglaublich!

Es haben sich so viele Szenen abgespielt an diesem Spieltag, so viele Momente in denen einem trotz all der Anstrengungen der letzten Wochen ein Lächeln ins Gesicht fiel, ob man nun wollte oder nicht.
Schon auf dem Weg die ersten Fahnen sehen, die unglaubliche Stimmung vor dem AFM Container, wo Fans miteinander mit der größten Selbstverständlichkeit halfen und anpackten, als ob man sich seit Jahren kennt.

Der Moment des Mannschaftseinlaufs und dieses Bild des Stadions in rot und schwarz, die großen beiden Fahnen in der Nord, die Südstehplätze komplett in Jolly Rouge und einem Vorsänger mit roter Mütze, der selber kaum das Glück über all das verbergen konnte.
Die unendlich vielen Fahnen der Gegengerade, die Oldtras der Haupttribüne, der lange Banner vor den Rolliplätzen, der riesige Totenkopf in der Halbzeit über den Businessseats, die unendlich vielen Tapeten mit den teilweise absurd guten Sprüchen, die Kundgebung nach dem Spiel, die Demo durch das Viertel des FC St.Pauli…das alles habt IHR getan!

Na? Wie fühlt man sich dabei?
Genau. Wir uns auch.

Aber wie eines fühlen wir uns seit diesem 15.1.2011 bestimmt nicht mehr:
Wie “nur 4000″ anonyme Spinner aus dem Internet.
Nein, wir sind Fans unter Fans und haben etwas satt.

Nicht mehr und nicht weniger.

Noch einmal:
Danke von Herzen!

Eure Sozialromantiker

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Noch 2 Tage …

Ihr großartigen Fans, Unterzeichner und Sozialromantiker,

Noch 2 Tage…

Die Spannung, das Kribbeln, das pochende Herz, wenn wir an Samstag denken, ist kaum noch auszuhalten und doch das Schönste, was wir seit Langem mit diesem Club und seinen Fans erleben durften.

In der letzten Woche sind Tausende von Fahnen, Schildern, Bannern, Transparenten, Mützen, Schals, Aufklebern und Chants entstanden, die alle nur ein Ziel haben, eine Forderung, einen Willen:

Bringt uns unseren Verein zurück!

Überall sind kleine Gruppen entstanden, die sich selbst organisieren, absprechen, helfen. Die einfach loslegen und – manchmal zum ersten Mal – merken, dass sie etwas bewegen können.Im Viertel taucht der Jolly Rouge an immer mehr Ecken auf. Manche stellen ihn ins Fenster oder hängen ihre rote Fahne aus dem Fenster. Andere basteln Videos zusammen oder schreiben über ihre Gefühle. Andere reden in den Kneipen und auf Partys über unseren Kampf und viele, viele Fans setzen sich einfach hin und stellen ihren eigenen Jolly Rouge her. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie unglaublich froh und glücklich es uns macht, euch dabei zuzusehen, wie ihr genau das werdet was dieser Verein so dringend braucht.

Fans mit einer eigenen Meinung, eigener Leidenschaft und eigenen Überzeugungen!

Dadurch habt ihr es geschafft, dass der Verein uns mit jedem Tag ernster nehmen muss.
Und jeder Tag, an dem sie sich nicht zu unseren Forderungen verhalten, für sie gefährlicher wird.

Und wisst ihr, was ihr noch geschafft habt? Ihr habt die Frage, was Sankt Pauli eigentlich noch ausmacht, bereits beantwortet!

Ihr macht Sankt Pauli aus!
So wie ihr jetzt seid!

Für viele Fans wird dieser Samstag ein besonderes Spiel sein. Ein Spiel, das auch darüber entscheidet, ob sie sich wirklich noch Woche für Woche, Tag für Tag als ein Teil von Sankt Pauli sehen wollen. All die Zeit, das Geld und die Energie wirklich noch opfern wollen für den FC St. Pauli.

Für andere Fans wird es vielleicht ein Spiel, wo sie plötzlich um sich rum mit Überzeugungen konfrontiert werden, über die sie sich selbst noch keine Gedanken gemacht haben. Auch bei diesen Fans gilt es die Leidenschaft und Energie zu wecken, diesen Verein mit zugestalten. Vielleicht werdet ihr euch mitten im Block streiten. Beim Flyerverteilen auf Ablehnung stoßen. Das ist normal und auch Fans, denen andere Werte wichtiger als unsere sind, haben das Recht diese Meinung zu haben.

Bleibt fair bei allem, was ihr macht.

Denn unsere Kraft und unseren Willen zur Veränderung werden sie uns nicht mehr nehmen können. Dafür ist es längst zu spät.

In diesem Sinne rufen wir euch zu:
Macht weiter!
Wir sind noch lange nicht am Ende!
Bring back Sankt Pauli!

Und drei Punkte bitte als Krönung!!!

Eure
Sozialromantiker Sankt Pauli

P.S: Nach dem Spiel findet vor dem Südkurvenplatz eine Demo unter dem Motto: “BRING BACK SANKT PAULI. RECLAIM YOUR VIERTEL!” statt. Diese Demo wird von verschiendenen Fans und Stadtteilinitiativen organisiert. Wir werden diese Demo besuchen und würden uns freuen wenn viele Andere unserem Beispiel folgen.

Weitere Infos: http://de.indymedia.org/2011/01/297762.shtml

Veröffentlicht unter Allgemein, Protest | 6.976 Kommentare

Heraus zum ersten Heimspiel!

Liebe Mitfans, Sozialromantiker und Unterzeichner,

am 22.12.2010 haben wir unsere Petition veröffentlicht und damit uns und euch allen eine Möglichkeit gegeben, das Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit gegegenüber den Entwicklungen der vergangenen Monate hinter uns zu lassen und wieder aktiv zu werden. Aktiv, um diesen unseren Verein mitzugestalten, mitzuleben und ihn wieder als das wahrzunehmen was er ist: etwas ganz Besonderes.

3000 Fans haben bis heute unterschrieben und das gibt uns – und hoffentlich auch euch – viel von der Kraft zurück, die wir in den letzten Monaten immer mehr verloren haben.

Auch wenn wir wissen, dass der Verein über die zahlreichen Presseartikel, Blogs und Emails bereits von unserem Anliegen weiß, werden wir mit dem heutigen Tag die Petition auch formal an das Präsidium weiterleiten. Unsere Forderungen sind also bekannt.

Bis zum heutigen Tag haben wir keine Anzeichen vernommen, dass der Verein bereit ist diese Forderungen zu erfüllen.

Deshalb rufen wir hiermit dazu auf, beim ersten Heimspiel der Rückrunde gegen Freiburg am 15.01.2011 zu zeigen, dass wir es ernst meinen!

Wir haben einen Flyer, den wir euch gerne an die Hand geben wollen, um noch mehr Mitfans zu erreichen und auf unsere Petition aufmerksam zu machen.

Wir werden auch im Stadion – und gerade dort – unserem Anliegen Ausdruck verleihen.

Doch auch Ihr seid gefragt!
Malt Tapeten!
Macht Banner!
Baut Doppelhalter!
Beschriftet Papptafeln!
Denkt euch Chants aus!
Kreiert Aufkleber!
Startet Aktionen in und um das Stadion!
Trefft euch mit Freunden und werdet kreativ!
Solidarisiert euch unter dem Jolly Rouge.
Zeigt euren Protest mit roten Mützen, Jacken, Shirts, Fahnen, Pappen.

Seid laut und Bunt!
BRING BACK ST.PAULI!!!

eure Sozialromantiker St.Pauli

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Es reicht!

Es geht einfach so nicht mehr weiter.
Wir sagen Stopp.
Seit langer Zeit wieder einmal.

Es gibt einen Punkt in der Fähigkeit eines jeden Menschen Verhältnisse hinzunehmen, an dem er nicht mehr in der Lage ist, weiterhin hinzunehmen. Weiterhin zu schweigen. Weiterhin zu hoffen und weiterhin zu warten, dass sich die Verhältnisse ohne sein Zutun verbessern. Dieser Punkt ist bei jedem Menschen an einer anderen Stelle zu finden.

Unser Punkt ist erreicht. Es reicht!

Wir alle freuen uns über das Jahr 2010 und den Aufstieg unseres geliebten magischen FC St.Pauli in die erste Bundesliga. Wir alle freuen uns darüber dass unser Stadion, das Millerntor, ausgebaut und vergrößert wird. Diese Freude war unendlich groß.

Wir alle hatten auch Angst dieses Jahr. Wie wird sich die Elf von Stani schlagen in der ersten Liga? Wie wird sich unser Stadion mit nun zwei neuen Tribünen anfühlen?
Wie wird uns der so oft medial gepredigte Spagat zwischen notwendigen Einnahmen und dem Erhalt unserer Fankultur, auf die wir alle so stolz sind, gelingen?

Das waren unsere Gedanken als die neue Haupttribüne fertig war, als wir 100 Jahre alt wurden und als wir den Aufstieg feiern konnten.

Der Spagat.
Was heißt das eigentlich?
Mit zwei Beinen zwei weit von einander entfernte Punkte einnehmen und trotzdem nicht aus dem Gleichgewicht geraten. Stimmt`s? Gut. Wenn wir uns den FC Sankt Pauli vorstellen in diesem Spagat, dann stünde er mit jeweils einem Bein auf jeweils einem Sockel.

Der eine Sockel symbolisiert die Einnahmen, die nötig sind um eine erfolgreiche Mannschaft zu bezahlen, das Stadion weiter auszubauen, und nicht horrende Summen von jedem Fan zu verlangen um sich ein Spiel seines Vereins anschauen zu können.

Der andere Sockel sind unsere Werte, unser Verständnis von Fussball und wie wir ihn erleben wollen. Unsere Insel Sankt Pauli in einer Welt, die nur noch auf die monetäre Verwertbarkeit von allem und jedem schaut. Unsere Andersartigkeit auf dem Marktplatz Profifussball.

Und zwischen den beiden Sockeln liegt der Abgrund der Bedeutungslosigkeit. Sowohl was unsere “Andersartigkeit” angeht, als auch den sportlichen Erfolg betreffend.

So weit, so bildhaft.
Was ist nun geschehen mit uns in diesem Jahr?
Uns Sozialromantikern? Uns Garanten des einen Sockels?

Wir haben vor diesem Jahr einen Kongress mit vorbereitet, ihn mit anderen Fans und dem Verein zusammen durchgezogen und miteinander einen Konsens darüber versucht zu finden, wie weit die Lücke sein darf zwischen diesen Sockeln, die das Überleben unseres Vereins ausmachen. Das war nicht leicht, nicht für uns die so vernarrt sind in den einen Sockel und auch nicht für den Verein, der sich hauptsächlich um den anderen kümmern muss.

Aber wir haben Ergebnisse erzielt, die die Kluft zwischen beiden Standpunkten dieses Spagats definieren. Sie verorten.

Das ist eine schwierige Angelegenheit, das Verorten. Denn das geht nur anhand von Werten die einem wichtig sind, sonst hat man keinen Punkt, keine Heimat, kein Zuhause von dem man sich entfernen, oder dem man sich wieder annähern kann.
Wir waren froh, dass der Verein und wir als ein Teil des Vereins solch einen Kongress überhaupt zu Wege bringen. Dass es uns allen anscheinend doch nicht egal ist wo das Geld herkommt, das nunmal nötig ist. Dass wir auf bestimmte Erscheinungen des modernen Fussballbetriebs lieber verzichten, seien sie finanziell noch so verlockend.

Alle Ergebnisse dieses Kongresses im Detail aufzuzählen würde jetzt den Rahmen sprengen, aber im Kern geht es in allen Beschlüssen darum, die Ursprünglichkeit und die Bodenständigkeit des Erlebnisses Fussball am Millerntor an die Faktoren zu binden, die die Einzigartigkeit des FC Sankt Pauli in den letzten 30 Jahren ausgemacht haben:

  • soziale und politische Verbundenheit mit dem Stadtteil Sankt Pauli
  • 90 Minuten Fussball ohne Firlefanz und Werbung drumherum
  • Eine Zeitspanne von 5-10 Minuten vor dem Spiel, in dem die Akustik des Stadions den Fans gehört.
  • Keine Verträge mit Sponsoren, die im Verdacht stehen faschistisch, rassistisch, homophob, sexistisch oder kriegstreiberisch zu agieren
  • Kein Verkauf des Stadionnamens
  • Keine Werbemaßnahmen, die vom Spielgeschehen ablenken
  • Fan und Vereinsseitiger Dialog bei Fragen zur Umsetzung dieser Leitlinien
  • Ticketverteilung im Sinne der Mitglieder

Und nun passiert in diesem Jahr etwas, womit wir zwar rechnen konnten, aber nicht rechnen wollten:

Der erste Sockel dieser Zwei wird von dem Präsidium und seinen Vereinsangestellten von Spiel zu Spiel verschoben. In kleinen Schritten, kaum merklich und doch spürbar entfernt sich der eine Sockel von dem anderen. Die Kluft wird größer und größer.

  • Es wird eine Haupttribüne gebaut, die zur Hälfte aus Businessseats besteht.
  • Dann werden doppelt so viele Logen gebaut wie geplant.
  • Dann wird eine der Logen an eine Stripteasebar verhökert, die dort Frauen leicht bis gar nicht bekleidet an Stangen tanzen lassen dürfen.
  • Dann wird die Mannschaftsaufstellung plötzlich von einem Sponsor präsentiert.
  • Ein Cola-Rotwein-Ballermanngemisch darf trotz vehementer Proteste offizielles Vereinsgetränk bleiben.
  • Dann werden neue Hintertor-Netze aufgehangen, die so dick sind, dass man kaum durchgucken kann, aber den Sponsorennamen gut abbilden.
  • Dann darf eine Bank in einer Zugebauten Ecke des Stadions in riesigen Lettern auf grauem Beton ihren Schriftzug darbieten.
  • Dann darf eine Werbeagentur plötzlich in einer anderen Ecke ihrer kreativen Kundschaft in selbstgebauten Containern auf Stelzen einen exklusiven Abend bereiten.
  • Dann werden Toiletten zugunsten von Stellflächen für Medien kurzerhand abgeklemmt.
  • Und nun werden LED Laufbänder an drei Seiten des Stadions montiert, auf die Zuschauer ihre SMS kostenpflichtig laufen lassen können.

Ihr habt es tatsächlich geschafft.

Ihr habt euren Sockel so weit verschoben das dieser Spagat in jedem Knochen, jeder Sehne, jeder Nervenzelle nur noch weh tut.

Und alles was Ihr in den letzten Monaten von uns verlangt, ist gefälligst unseren Sockel auch zu verschieben.

ABER DAS WERDEN WIR NICHT TUN!
DENN DAS WAR NICHT DIE VERABREDUNG!

Wir, die Unterzeichner, fordern:

  • Keine weiteren, zusätzlichen Werbemassnahmen in den vom Fankongress verabschiedeten Zeitfenstern!
  • Keine weiteren Werbeflächen auf den Tribünen!
  • Kündigung von Susis Showbar Loge!
  • Keine LED-Anzeigen mehr im Stadion und generell keine weiteren audiovisuellen Plätze für irgendeine Werbung während der 90 Minuten!
  • Rückbau von Teilen der Business-Seats auf der neuen Haupttribüne und Umwandlung in bezahlbare Sitzplätze!
  • Bereitstellung von Farbe damit die Kinder der Stadionkita ihre grauen Wände in Eigenverantwortung anmalen können!
  • Keine weiteren bloßen Lippenbekenntnisse des Präsidiums und der Vermarktung, wir sind es leid!

Wenn ihr, wertes Präsidium, diesen Forderungen nicht nachkommt, werden wir in den offenen Widerstand gehen.

Wir werden der immer mehr vermisste Sand im Getriebe sein, wir werden Aktionen anzetteln die euch nicht mal im Traum einfallen.

Wir werden sowohl den Verzehr wie auch den Stadionbesuch an sich boykottieren.
Wir werden Sponsoren mit Mails bombardieren, mit der Presse arbeiten, eine ausserordentliche Mitgliederversammlung beantragen.

Kurz: Wir werden alles tun, bis ihr merkt wie viele wir sind!
Wir werden alles tun bis ihr merkt, dass es mit euch, aber auch ohne euch geht.

Die Zeit der Treffen ist vorbei. Es reicht!

Sozialromantiker St.Pauli und alle Unterzeichnenden
Dezember 2010

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