Offene Briefe

Lieber Sven,

Werte in Kopie Mitlesenden,

ich schreibe Dir diese offene(!) E-Mail (ich werde sie im stpauli-forum.de einstellen) weil ich bei mir, meinen Freunden und Bekannten eine Entwicklung feststelle, die mir Angst macht. Aufhänger, Du wirst es Dir denken können, ist die LED-Wand-Aktion von „blau.de“. Nichtsdestoweniger werde ich in dieser E-Mail auch andere Themen ankratzen, vielleicht sogar vermischen.

Was genau an der Aktion alles uncool war, hast Du sicherlich dem (inoffiziellen) Forum, einigen E-Mails und den Blogs von Übersteiger, pathos93, kleinertod oder der Breitseite entnehmen können. Du weißt also bereits darüber Bescheid, dass (mindestens) große Teile der „aktiven Fanszene“ die Leitlinien verletzt sehen. Diese Sichtweise teile ich voll und ganz. Im Stadion möchte ich Fußball sehen, auch wenn die Mannschaft eine scheiß Leistung ablegt, dem gehört 90 Minuten meine Aufmerksamkeit und all das was meine Stimmbänder hergeben.

Die Aktion von blau.de war nun für Viele der berühmte Tropfen, welcher das Fass zum überlaufen brachte. Was hat dieses Fass gefüllt? Nehmen wir den Millerntaler, der im Januar 2008 bekannt gemacht wurde, glücklicherweise abgewehrt werden konnte, von dem, oder etwas Vergleichbarem, sich zumindest Corny Littmann im Sommer 2009 beim Fankongress noch immer nicht vollends lossagen wollte.

Wir haben jetzt ein halb-modernes Stadion und sogar eine Videowand. Vieles wurde versprochen, vieles wurde davon gebrochen (Wo ist gleich die alte Anzeigetafel?)… Es war klar dass Charme verloren gehen würde und man war ja auch bereit viele Dinge loszulassen.

Doch die, die auf der Gegengraden stehen, denen die jetzige Entwicklung übel aufstößt, werden, so ihre neue Tribüne steht, noch mehr vermissen. Das wurde mir klar als ich, als Südsteher seit es die neue Südkurve gibt, gegen Wolfsburg wieder ein Mal auf der Gegengraden war. Das Gefühl aus dem dunklen Gang unter der Tribüne die Treppen raufzusteigen und zwischen den Menschen kommt das Flutlicht durch, das Spielfeld wird mit jeder Stufe, die man nimmt ein Stück sichtbarer. Einmalig.

Das Gefühl gibt es auf der Südkurve nicht mehr, und das wird es nirgendwo mehr geben wenn das Stadion fertig ist.

Will sagen, es wird uns schon so viel genommen, der Dinge die das Ganze ausmachen. Nun wird sich die große Masse einig sein, dass das neue Stadion unabdingbar ist, gerade auch in Hinblick auf Lizenzen etc..

Doch warum, müssen die Funktionsträger in unserem Verein, auch noch alles in ihrer Macht stehende daran setzen, in diesen Zeiten des Umbruchs, scheinbar alles noch Verbleibende, was uns von anderen Vereinen im Profifußball unterscheidet, kaputt zu machen.

Wir haben Doppelstock-Logen, eine Wand aus leeren Business-Seats zum Anpfiff der 2. Halbzeit (verzeih mir die Polemik), eine Videowand, Werbebanden so weit das Auge reicht, ein Stadion, das von Innen zur Hälfte aussieht wie jedes Andere.

Wir hatten die Idee einer Stadionwährung, eine Pokerrunde und jetzt einen SMS Ticker für mitteilungsbedürftige Stadiongänger, die lieber SMS schreiben als das Spiel zu verfolgen. Von den Sponsorenaktionen, die nie durchgeführt wurden aufgrund irgendwelcher Bedenken mal abzusehen.

Dazu gibt’s dann noch ein Publikum, das immer beliebiger wird, wo sich Frauen unwohl fühlen weil sie betatscht, bedrängt und mit dummen Sprüchen/Anmachen bedacht werden.

Es gibt eine Menge Dinge, die sich verändern, vieles verändert sich in eine unschöne Richtung. Die Veränderungen fanden größtenteils in einem Zeitrahmen von etwa 3,5 Jahren statt. Ein ziemlich kurzer Zeitraum, für die Masse selbiger und wenn diese Veränderungen der notwendige Preis für sportlichen Erfolg sind, dann möchte ich persönlich diesen Preis nicht zahlen.

Ich wünsche mir von den Funktionsträgern im Verein und den ihm angeschlossenen Gesellschaften, dass die Werte die Menschen, unter anderem Du, Sven, erkämpft und erarbeitet haben und den FC St. Pauli für mich und viele Menschen aus der ganzen Welt zu einem Symbol und einem Zuhause gemacht haben, nicht mit Füßen treten.

Der Verein verkauft sich! Und mit oder ohne „gesundem Verhältnis zur Prostitution“, empfinde ich diese Entwicklung als zutiefst schade.

Was bringt einem die Infrastruktur aus Fanszene und Fanladen, inklusive ihrer Fanclubs, dem Jolly, den Projekten wie Fanräume, der Weinbar, dem Sommerfest von 2009, den vielen Parties, den Turnieren, dem ganzen Drumherum, bei dem man sich wohl fühlt – wenn der Faktor, wegen dem es das alles überhaupt gibt, der Fußball am Millerntor, einem nichts als Frustration bringt?

Nicht alles ist erstrebenswert nur weil es Geld bringt. Es gibt weitaus wichtigere Werte im Leben als marktwirtschaftlich erfolgreich zu sein – dies sollte auch für den unseren FC St. Pauli gelten.

Das Kind aus dem Brunnen holen, oder ignorieren und so weiter machen – in dem Fall stirbt das Kind – mit jedem Menschen der die Besonderheit des Vereins geprägt hat, der resigniert und wegfällt. Der Ball liegt bei euch.

Ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2011.

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Sehr geehrter Herr Meeske, sehr geehrter Herr Spaeth,

ich bin seit 15 Jahren Fan des FC St. Pauli. Eine kurze Zeit gemessen an den 100 Jahren, die der Verein nun besteht. Aber doch lang genug, um zu verstehen, was den Verein ausmacht und welche Werte seine Fans in großen Teilen verbindet. Natürlich unterliegen Werte auch dem Wandel, doch zumindest in den vergangenen Jahrzehnten gab es einen nicht veränderbaren Wertekanon. Antisexismus, Antirassismus und Antihomophobie zählen zu den Grundpfeilern. Doch auch die Ablehnung der totalen Kommerzialisierung und der Wunsch nach ehrlicher Bodenständigkeit gehören mit hinzu.

Leider treten Sie diese Werte mit Füßen. Mit großflächiger „Kalte Muschi“-Werbung haben Sie das erste Mal bewiesen, dass Sie über keinerlei Gespür für den Verein und seine Werte verfügen. Ich habe dies für einen bedauerlichen Ausrutscher gehalten. Mittlerweile muss ich einsehen, dass Sie insgesamt nicht geeignet sind, im Konsens mit den Werten der Fans zu agieren. Sie lassen keine Gelegenheit ungenutzt, die treuesten Anhänger des Vereins zu verprellen, um Ihre Vision eines durchgestylten Plastikvereins zu realisieren. Ihnen ist weder der Stadionname heilig, noch halten Sie sich an gegebene Zusage bezüglich Susis Showseparée. Sie sind sich nicht zu schade für an Debilität kaum zu überbietende Aktionen wie die SMS-Aktion und schließen in Zeitungsinterviews nicht einmal die Möglichkeit aus, einen Kernkraftwerkbetreiber als Sponsor zuzulassen. Kurzum – Sie sind untragbar für diesen Verein und seine Fans.

Jahrelang waren es die Fans, die diesen Verein am Leben gehalten haben. Wir sind in der Regionalliga durch die Niederungen der Provinz gezogen, um den FC St. Pauli zu unterstützen. Wir haben T-Shirts verkauft, unsere Freizeit und unser Geld geopfert und der Mannschaft auch in schwierigsten Zeiten die Treue gehalten. Der Lohn? Unbezahlbare Business-Seats und Werbeträume, die die Fans vor den Kopf stoßen. Sie haben nicht nur den Kontakt zu den Fans vollkommen verloren, Sie verstehen nicht einmal die Gesetze des Marketings. Der Unique Selling Point des FC St. Pauli sind seine authentischen Fans, die Unangepasstheit und das Einstehen für Werte. Werte, die sie bestenfalls zu billigen Werbeaktionen verwursten.

Wir Fans werden diesem Treiben Einhalt gebieten. Denn ohne Fans ist der Verein nichts wert. Kein Sponsor wird Ihnen zukünftig hohe Gelder zahlen, wenn das Publikum aus lauter Champagnerschlürfern besteht. Kein Fernsehsender überträgt exklusiv Bilder von gelangweilten Geschäftsleuten auf der Haupttribüne. Sie sind von uns abhängig, wir nicht von Ihnen. Und sollten Sie weiterhin die Werte der Fans mit Füßen treten und die treuen Anhänger vergraulen wollen, dann sähen Sie Wind und die daraus resultierenden Stürme haben in der Vergangenheit schon so manche Allmachtsphantasie begraben. Von nun an werde ich, werden viele andere Fans daran arbeiten, dass der Verein wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet. Mit Ihnen oder gegen Sie.

Es verbleibt

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Sehr geehrter Herr Meeske, sehr geehrter Herr Spaeth,

nachdem ich mich gestern bereits hier http://santapauli.wordpress.com/2010/12/22/auf-ein-wort-herr-schulte-oder-auch-ein-paar-mehr/ an Herrn Schulte gewandt habe, musste ich erfahren, dass vereinsseitig die erheblichen Bedenken der Fans bezüglich der Entwicklung im Werbebereich am aktuellen Beispiel der SMS-Laufband-Werbung von blau.de offenbar nicht ausreichend zu Ihnen transportiert werden. In einer Mail des Vereins auf eine Beschwerde wurde konstatiert, dass ja „nur 10 Beschwerden eingegangen seien“ und man deswegen Ihrerseits mit der Angelegenheit doch gelassen umgehen könne.

Bei all den nachvollziehbaren Entscheidungen, die der Verein im Sinne einer erfolgreichen Vermarktung trifft, sollten Sie doch aber wirklich wissen, dass der größte Vermarktungsfaktor nicht die sportlichen Erfolge des FC Sankt Pauli sind, sondern die auch durch die Fans verkörperten Ideale. Der „Mythos“ Sankt Pauli sind doch in Wahrheit die, die jetzt glauben müssen, dass der Verein sie weder ernstnimmt noch an der Ausgestaltung der Richtung, die der Verein einschlägt, mitbestimmend teilhaben lässt. Wenn Sie die Leidenschaft zum Erlöschen bringen, die die Fans dazu treibt, einen Großteil ihrer Freizeit in den unentgeltlichen Dienst des Vereins zu stellen in der Absicht, die „alten“ Ideale, die auch heute noch ihre Gültigkeit haben, zu bewahren, vernichten Sie das wahre Kapital des Vereins.

Zählen Sie diese Email bitte -mindestens- als Nr. 11 in der Reihe der Beschwerdemails zu blau.de und als Nummer x in der Reihe der Beschwerdemails zu tanzenden Susis an der Stange in den Logen, ein Paradebeispiel für das Ignorieren jeglicher in den Leitlinien manifestierter Intentionen.

Sie sollten daran denken, dass es sportlich für den FC Sankt Pauli nicht einfach sein wird, das zur Zeit erhebliche Sponsoreninteresse langfristig zu erhalten. Bunte, fröhliche Bilder von den Rängen, wie sie das Sportfernsehen gerne vom „Freudenhaus der Liga“ zeigt, können schnell Schnee von gestern sein, wenn nur noch die kommen, deren Ego Sie anscheinend zur Zeit erfolgsorientiert streicheln.

Sportlicher Erfolg kommt und geht auch wieder, insbesondere bei unserem Verein, aber was bleibt, sind Fans, wie es sie kaum ein zweites Mal im Profisport gibt. Vertreiben Sie uns nicht mit kurzfristig geplanter Geschäftspolitik, sonst geht vielleicht mit uns alles, was Sie jetzt noch für gesichert halten. Eröffnen Sie einen echten und ernstzunehmenden Dialog, transparent, offen und fair und lassen Sie uns nicht im Regen stehen. Das tun wir liebend gerne auch wieder in der Regionalliga, bei strömendem Regen auf irgendeinem Grandacker für unseren FC Sankt Pauli, aber wir tun es nicht, damit der Verein mit allem, was ihn ausmacht, abverkauft wird.

Verlassen Sie sich nicht auf die schweigende Mehrheit, denn die Vielzahl der in der letzten Zeit erfolgten Einschläge in der Fan-Seele machen langsam aus dieser schweigenden Mehrheit eine engagierte Gruppe. Zumindest haben Sie es mit den jüngsten Aktionen geschafft, dass sich die geteilten Fanlager wieder vereinen, denn in der Sache sind wir uns einig und so werden aus Minderheiten schnell sehr aktive und engagierte Mehrheiten.

Mit freundlichen Grüßen

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Lieber Sven, lieber Michael, lieber Herr Späth,

mit Verwunderung habe ich den Beitrag im Forum gelesen, dass nur zehn E-Mails bei Euch zum Thema blau.de angekommen sind. Diese Zahl muss ich dann unbedingt erhöhen. Denn das, was im Moment im Stadion passiert, hat mit Fußball auf Sankt Pauli, wie ich ihn verstehe, nicht mehr viel zu tun. Und damit meine ich nicht die Leistung der Jungs auf dem Rasen, sondern vielmehr die Leistung der Jungs hinter den Kulissen in den Büros.

Ich denke, ihr seid im Thema gut drin, verweise jedoch auf die diversen Blogs im Internet, die euch ja bekannt sein dürften.
Von mir nur soviel: mit meiner Interpretation der Leitlinien hat die eure nichts gemein! Und ich finde, die Leitlinien sind ziemlich eindeutig formuliert. Ich bin extrem sauer darüber, dass die, unter anderem auch von mir, erarbeiteten Leitlinien keinerlei Berücksichtigung im täglichen Geschäft der Vermarktung finden! Cola-Rotwein-Mixgetränk, Starcar-Werbung auf den Klos, Susis Showbar, Sponsoren, die die Mannschaftsaufstellung präsentieren, eine Tribüne, die mehrheitlich aus Buisinessseats besteht, so dicke Tornetze, dass ich von meinem Platz in der Süd (ja, ich bin nur so ein Stehplatzkarteninhaber, der nichts einbringt, und dann auch noch mit ner lebenslangen Dauerkarte, die sich in vier, fünf Jahren amortisiert hat! Aber bedenkt bitte, WANN diese Karten zu kaufen waren!!!) nicht vernünftig aufs Spielfeld sehen kann (die viel zu dicken Stäbe des Zauns erwähne ich jetzt erst gar nicht), Toiletten, die wegen der Stellfläche von Übertragungswagen nicht mehr funktionieren und die Frauen in der Gegengeraden (zufällig war ich just dann auch auf der GG) nicht wissen, wohin mit ihrer Notdurft und jetzt also blau.de mit SMS Ticker während des Spiels! Und nun sagt nicht, das würde nicht vom Wesentlichen, dem Spiel der Mannschaften, ablenken.

Dass Fass ist mehr als nur übergelaufen.

Von der mangelenden Kommunikationsbereitschaft der Vereinsoffiziellen mit Fans der verschiedenen Gremien fang ich gar nicht erst an.

Vielleicht finden ja über die Feiertage jetzt noch ein paar E-Mails den Weg zu Euch.

Weihnachtliche Grüße

7.944 Antworten zu Offene Briefe

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