{"id":12,"date":"2010-12-22T23:27:00","date_gmt":"2010-12-22T23:27:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialromantiker-stpauli.de\/wordpress\/?p=12"},"modified":"2011-10-06T18:40:42","modified_gmt":"2011-10-06T18:40:42","slug":"es-reicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sozialromantiker-stpauli.de\/wordpress\/?p=12","title":{"rendered":"Es reicht!"},"content":{"rendered":"<p>Es geht einfach so nicht mehr weiter.<br \/>\n<strong>Wir sagen Stopp. <\/strong><br \/>\nSeit langer Zeit wieder einmal.<\/p>\n<p>Es gibt einen Punkt in der F\u00e4higkeit eines jeden Menschen Verh\u00e4ltnisse hinzunehmen, an dem er nicht mehr in der Lage ist, weiterhin hinzunehmen. Weiterhin zu schweigen. Weiterhin zu hoffen und weiterhin zu warten, dass sich die Verh\u00e4ltnisse ohne sein Zutun verbessern. Dieser Punkt ist bei jedem Menschen an einer anderen Stelle zu finden.<\/p>\n<p>Unser Punkt ist erreicht. Es reicht!<\/p>\n<p>Wir alle freuen uns \u00fcber das Jahr 2010 und den Aufstieg unseres geliebten magischen FC St.Pauli in die erste Bundesliga. Wir alle freuen uns dar\u00fcber dass unser Stadion, das Millerntor, ausgebaut und vergr\u00f6\u00dfert wird. Diese Freude war unendlich gro\u00df.<\/p>\n<p>Wir alle hatten auch Angst dieses Jahr. Wie wird sich die Elf von Stani schlagen in der ersten Liga? Wie wird sich unser Stadion mit nun zwei neuen Trib\u00fcnen anf\u00fchlen?<br \/>\nWie wird uns der so oft medial gepredigte Spagat zwischen notwendigen Einnahmen und dem Erhalt unserer Fankultur, auf die wir alle so stolz sind, gelingen?<\/p>\n<p>Das waren unsere Gedanken als die neue Haupttrib\u00fcne fertig war, als wir 100 Jahre alt wurden und als wir den Aufstieg feiern konnten.<\/p>\n<p>Der Spagat.<br \/>\nWas hei\u00dft das eigentlich?<br \/>\nMit zwei Beinen zwei weit von einander entfernte Punkte einnehmen und trotzdem nicht aus dem Gleichgewicht geraten. Stimmt`s? Gut. Wenn wir uns den FC Sankt Pauli vorstellen in diesem Spagat, dann st\u00fcnde er mit jeweils einem Bein auf jeweils einem Sockel.<\/p>\n<p>Der eine Sockel symbolisiert die Einnahmen, die n\u00f6tig sind um eine erfolgreiche Mannschaft zu bezahlen, das Stadion weiter auszubauen, und nicht horrende Summen von jedem Fan zu verlangen um sich ein Spiel seines Vereins anschauen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der andere Sockel sind unsere Werte, unser Verst\u00e4ndnis von Fussball und wie wir ihn erleben wollen. Unsere Insel Sankt Pauli in einer Welt, die nur noch auf die monet\u00e4re Verwertbarkeit von allem und jedem schaut. Unsere Andersartigkeit auf dem Marktplatz Profifussball.<\/p>\n<p>Und zwischen den beiden Sockeln liegt der Abgrund der Bedeutungslosigkeit. Sowohl was unsere &#8222;Andersartigkeit&#8220; angeht, als auch den sportlichen Erfolg betreffend.<\/p>\n<p>So weit, so bildhaft.<br \/>\nWas ist nun geschehen mit uns in diesem Jahr?<br \/>\nUns Sozialromantikern? Uns Garanten des einen Sockels?<\/p>\n<p>Wir haben vor diesem Jahr einen Kongress mit vorbereitet, ihn mit anderen Fans und dem Verein zusammen durchgezogen und miteinander einen Konsens dar\u00fcber versucht zu finden, wie weit die L\u00fccke sein darf zwischen diesen Sockeln, die das \u00dcberleben unseres Vereins ausmachen. Das war nicht leicht, nicht f\u00fcr uns die so vernarrt sind in den einen Sockel und auch nicht f\u00fcr den Verein, der sich haupts\u00e4chlich um den anderen k\u00fcmmern muss.<\/p>\n<p>Aber wir haben Ergebnisse erzielt, die die Kluft zwischen beiden Standpunkten dieses Spagats definieren. Sie verorten.<\/p>\n<p>Das ist eine schwierige Angelegenheit, das Verorten. Denn das geht nur anhand von Werten die einem wichtig sind, sonst hat man keinen Punkt, keine Heimat, kein Zuhause von dem man sich entfernen, oder dem man sich wieder ann\u00e4hern kann.<br \/>\nWir waren froh, dass der Verein und wir als ein Teil des Vereins solch einen Kongress \u00fcberhaupt zu Wege bringen. Dass es uns allen anscheinend doch nicht egal ist wo das Geld herkommt, das nunmal n\u00f6tig ist. Dass wir auf bestimmte Erscheinungen des modernen Fussballbetriebs lieber verzichten, seien sie finanziell noch so verlockend.<\/p>\n<p>Alle Ergebnisse dieses Kongresses im Detail aufzuz\u00e4hlen w\u00fcrde jetzt den Rahmen sprengen, aber im Kern geht es in allen Beschl\u00fcssen darum, die Urspr\u00fcnglichkeit und die Bodenst\u00e4ndigkeit des Erlebnisses Fussball am Millerntor an die Faktoren zu binden, die die Einzigartigkeit des FC Sankt Pauli in den letzten 30 Jahren ausgemacht haben:<\/p>\n<ul>\n<li>soziale und politische Verbundenheit mit dem Stadtteil Sankt Pauli<\/li>\n<li>90 Minuten Fussball ohne Firlefanz und Werbung drumherum<\/li>\n<li>Eine Zeitspanne von 5-10 Minuten vor dem Spiel, in dem die Akustik des Stadions den Fans geh\u00f6rt.<\/li>\n<li>Keine Vertr\u00e4ge mit Sponsoren, die im Verdacht stehen faschistisch, rassistisch, homophob, sexistisch oder kriegstreiberisch zu agieren<\/li>\n<li>Kein Verkauf des Stadionnamens<\/li>\n<li>Keine Werbema\u00dfnahmen, die vom Spielgeschehen ablenken<\/li>\n<li>Fan und Vereinsseitiger Dialog bei Fragen zur Umsetzung dieser Leitlinien<\/li>\n<li>Ticketverteilung im Sinne der Mitglieder<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und nun passiert in diesem Jahr etwas, womit wir zwar rechnen konnten, aber nicht rechnen wollten:<\/p>\n<p>Der erste Sockel dieser Zwei wird von dem Pr\u00e4sidium und seinen Vereinsangestellten von Spiel zu Spiel verschoben. In kleinen Schritten, kaum merklich und doch sp\u00fcrbar entfernt sich der eine Sockel von dem anderen. Die Kluft wird gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<ul>\n<li>Es wird eine Haupttrib\u00fcne gebaut, die zur H\u00e4lfte aus Businessseats besteht.<\/li>\n<li>Dann werden doppelt so viele Logen gebaut wie geplant.<\/li>\n<li>Dann wird eine der Logen an eine Stripteasebar verh\u00f6kert, die dort Frauen leicht bis gar nicht bekleidet an Stangen tanzen lassen d\u00fcrfen.<\/li>\n<li>Dann wird die Mannschaftsaufstellung pl\u00f6tzlich von einem Sponsor pr\u00e4sentiert.<\/li>\n<li>Ein Cola-Rotwein-Ballermanngemisch darf trotz vehementer Proteste offizielles Vereinsgetr\u00e4nk bleiben.<\/li>\n<li>Dann werden neue Hintertor-Netze aufgehangen, die so dick sind, dass man kaum durchgucken kann, aber den Sponsorennamen gut abbilden.<\/li>\n<li>Dann darf eine Bank in einer Zugebauten Ecke des Stadions in riesigen Lettern auf grauem Beton ihren Schriftzug darbieten.<\/li>\n<li>Dann darf eine Werbeagentur pl\u00f6tzlich in einer anderen Ecke ihrer kreativen Kundschaft in selbstgebauten Containern auf Stelzen einen exklusiven Abend bereiten.<\/li>\n<li>Dann werden Toiletten zugunsten von Stellfl\u00e4chen f\u00fcr Medien kurzerhand abgeklemmt.<\/li>\n<li>Und nun werden LED Laufb\u00e4nder an drei Seiten des Stadions montiert, auf die Zuschauer ihre SMS kostenpflichtig laufen lassen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ihr habt es tats\u00e4chlich geschafft.<\/p>\n<p>Ihr habt euren Sockel so weit verschoben das dieser Spagat in jedem Knochen, jeder Sehne, jeder Nervenzelle nur noch weh tut.<\/p>\n<p>Und alles was Ihr in den letzten Monaten von uns verlangt, ist gef\u00e4lligst unseren Sockel auch zu verschieben.<\/p>\n<p>ABER DAS WERDEN WIR NICHT TUN!<br \/>\nDENN DAS WAR NICHT DIE VERABREDUNG!<\/p>\n<p>Wir, die Unterzeichner, fordern:<\/p>\n<ul>\n<li>Keine weiteren, zus\u00e4tzlichen Werbemassnahmen in den vom Fankongress verabschiedeten Zeitfenstern!<\/li>\n<li>Keine weiteren Werbefl\u00e4chen auf den Trib\u00fcnen!<\/li>\n<li>K\u00fcndigung von Susis Showbar Loge!<\/li>\n<li>Keine LED-Anzeigen mehr im Stadion und generell keine weiteren audiovisuellen Pl\u00e4tze f\u00fcr irgendeine Werbung w\u00e4hrend der 90 Minuten!<\/li>\n<li>R\u00fcckbau von Teilen der Business-Seats auf der neuen Haupttrib\u00fcne und Umwandlung in bezahlbare Sitzpl\u00e4tze!<\/li>\n<li>Bereitstellung von Farbe damit die Kinder der Stadionkita ihre grauen W\u00e4nde in Eigenverantwortung anmalen k\u00f6nnen!<\/li>\n<li>Keine weiteren blo\u00dfen Lippenbekenntnisse des Pr\u00e4sidiums und der Vermarktung, wir sind es leid!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn ihr, wertes Pr\u00e4sidium, diesen Forderungen nicht nachkommt, werden wir in den offenen Widerstand gehen.<\/p>\n<p>Wir werden der immer mehr vermisste Sand im Getriebe sein, wir werden Aktionen anzetteln die euch nicht mal im Traum einfallen.<\/p>\n<p>Wir werden sowohl den Verzehr wie auch den Stadionbesuch an sich boykottieren.<br \/>\nWir werden Sponsoren mit Mails bombardieren, mit der Presse arbeiten, eine ausserordentliche Mitgliederversammlung beantragen.<\/p>\n<p>Kurz: Wir werden alles tun, bis ihr merkt wie viele wir sind!<br \/>\nWir werden alles tun bis ihr merkt, dass es mit euch, aber auch ohne euch geht.<\/p>\n<p>Die Zeit der Treffen ist vorbei. Es reicht!<\/p>\n<p>Sozialromantiker St.Pauli und alle Unterzeichnenden<br \/>\nDezember 2010<\/p>\n<p>************ <strong><a href=\"http:\/\/www.sozialromantiker-stpauli.de\/wordpress\/?page_id=2\">Unterschreibt hier<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht einfach so nicht mehr weiter. Wir sagen Stopp. Seit langer Zeit wieder einmal. Es gibt einen Punkt in der F\u00e4higkeit eines jeden Menschen Verh\u00e4ltnisse hinzunehmen, an dem er nicht mehr in der Lage ist, weiterhin hinzunehmen. 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